Die Delegierten des UEFA-Kongresses am 24. Mai in London werden von den Gewerkschaften im Rahmen ihrer Kampagne für eine bessere Behandlung der Wanderarbeitskräfte, die die Stadien für die Fußball-WM 2022 in Katar bauen, und der ausländischen Fußballer, die gegenwärtig in dem Golfstaat spielen, unter Druck gesetzt werden.

Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und der britische Gewerkschaftsbund TUC fordern die UEFA auf, sich mit der erschreckenden Behandlung von Beschäftigten und Spielern in Katar auseinanderzusetzen und sich der Forderung nach einer Neuabstimmung über den Austragungsort der WM 2022 anzuschließen, falls die katarische Regierung nichts gegen die Missstände unternimmt.

Die inakzeptable Behandlung der Wanderarbeitskräfte in Katar und das Versäumnis der Regierung, die Arbeitnehmerrechte zu verbessern, sind die Hauptanliegen der Gewerkschaften. Niedriglöhne, übermäßig lange Arbeitszeiten, das Verbot eines Gewerkschaftsbeitritts, unzureichende Sicherheitsstandards und zahlreiche Missbräuche im Rahmen des strengen Visa-Bürgensystems haben zu dem Vorwurf geführt, dass sich Katar wie ein Sklavenstaat des 21. Jahrhunderts verhält.

Die Aktivisten des IGB und des TUC werden heute eine von Tausenden Fußballfans in aller Welt unterzeichnete Petition überreichen, in der Verstöße gegen die Rechte von Spielern und Arbeitern in Katar aufgelistet werden. Die Gewerkschaftsorganisationen haben zudem den UEFA-Präsidenten Michel Platini schriftlich aufgefordert, den Londoner Kongress dazu zu nutzen, um:

- Mitglieder in das FIFA-Exekutivkomitee zu wählen, die einer Reform sowie dem Schutz der Menschen- und Gewerkschaftsrechte verpflichtet sind;
- UEFA-Delegierte, die in der nächsten Woche am FIFA-Kongress in Mauritius teilnehmen, über die schwierigen Arbeitsbedingungen in Katar zu informieren, sowohl für die bei dortigen Vereinen verpflichteten Fußballer als auch für die Bauarbeiter, die die Infrastruktur für die WM bauen;
- eine Petition des IGB und des TUC entgegenzunehmen, in der die FIFA aufgefordert wird, neu über den Austragungsort der WM 2022 abzustimmen, wenn Katar seine Methoden nicht ändert.

Die Gewerkschaften haben eine Kampagne begonnen, um die FIFA zu einer Neuabstimmung über den Austragungsort der Fußball-WM 2022 zu veranlassen. Stein des Anstoßes sind schwere Arbeitnehmerrechtsverletzungen in Katar, die steigende Zahl der dort tödlich verunglückten Bauarbeiter und das Versäumnis der FIFA, das Land nachdrücklich zu einer Arbeitsrechtsreform zu drängen.

IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow stellte dazu fest: "Die Forderung nach einer Neuabstimmung über den Austragungsort der WM 2022 erfolgt im Anschluss an jahrelang gebrochene Reformversprechen der FIFA und Katars. Dieser Schritt ist den Gewerkschaften nicht leicht gefallen.

Noch ist Zeit für eine Neuabstimmung, da der Austragungsort der WM 2022 sieben Jahre früher als normalerweise üblich festgelegt wurde. Es werden mehr Menschen beim Bau der WM-Infrastruktur sterben als bei der WM Fußball spielen, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, um die Arbeitsbedingungen in Katar zu verbessern."

TUC-Generalsekretär Frances O’Grady kommentierte: "Die Zahl der in Katar tödlich verunglückten Bauarbeiter ist jedes Jahr bis zu acht Mal so hoch wie in Großbritannien und anderen Industrieländern. Angesichts des UEFA-Kongresses hier in London können wir nicht zulassen, dass sich die Delegierten der Todesfälle und Verletzungen nicht bewusst sind.

Alle Fußballfans werden entsetzt darüber sein, wie die Beschäftigten behandelt werden. Es herrschen Bedingungen, die moderner Sklaverei gleichkommen, und die Fans werden wollen, dass die UEFA die Bemühungen um Reformen in Katar unterstützt und notfalls dafür eintritt, dass die FIFA die Abstimmung über den Austragungsort der Fußball-WM 2022 wiederholt."

Der IGB hat eine Fanzine-Parodie, "Workers United", produziert, in der u.a. über zwei Profifußballer berichtet wird, die nach Katar geholt wurden, nachdem sie zuvor in Frankreich gespielt hatten:

- Der französisch-algerische Stürmer Zahir Belounis ist in Katar gefangen, nachdem er für einen katarischen Verein angeworben worden war. Er wurde nicht bezahlt und droht mit einem Hungerstreik, wenn sein Vertrag nicht eingehalten und seine Ausreisegenehmigung nicht unterschrieben wird, damit er das Land verlassen kann.
- Der marokkanische Nationalspieler Abdeslam Ouaddou, der für AS Nancy-Lorraine und Fulham gespielt hat, wurde nicht bezahlt, nachdem sein katarischer Verein seinen bis 2015 laufenden Vertrag gebrochen hatte. Ouaddou wurde von seinen Mannschaftskollegen abgesondert und gezwungen, bei brütender Sommerhitze zu trainieren.