Der jährliche FIFA-Kongress fand am Freitag, 31. Mai, in Mauritius statt und dauerte achteinhalb Stunden. Sieben Stunden davon habe ich auf einem Polizeirevier in Port Louis zugebracht. Ich war verhaftet und eines Gesetzesverstoßes beschuldigt worden.

Drinnen beschlossen die FIFA-Delegierten Sanktionen gegen Rassismus und Diskriminierung.

Draußen wurden führende Gewerkschaftsvertreter und Fußballfans verhaftet, als sie gegen die Diskriminierung von Wanderarbeitskräften in Katar, dem Austragungsort der Fußball-WM 2022, protestierten.

Der schleppende Reformprozess bei der FIFA ist mit der Kurskorrektur eines Supertankers verglichen worden. Einige von uns sind inzwischen überzeugt, dass dieser Supertanker in Mauritius auf Grund gelaufen ist.

"Neu abstimmen – Keine Fußball-WM ohne Arbeitnehmerrechte, www.rerunthevote.org", las der vor unseren Spruchbändern noch auf seinem Motorrad sitzende Polizist laut in sein Funkgerät vor.

Als nächstes hörten wir, wie er alle von uns, die die drei Spruchbänder hielten, abzählte: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht.

Laut mauritischem Gesetz ist für Zusammenkünfte von weniger als 12 Personen keine polizeiliche Genehmigung erforderlich.

Im Falle kleiner friedlicher Zusammenkünfte stellt die Polizei gewöhnlich die Zahl der Beteiligten fest. Wenn es ein oder zwei mehr als erlaubt sind, werden sie aufgefordert, zur Seite zu treten, und der Protest kann fortgesetzt werden.

Da standen wir also mit unseren Spruchbändern in der Morgensonne und winkten den FIFA-Delegierten auf ihrem Weg ins Kongresszentrum zu. Viele winkten zurück.

Vor uns sprachen FIFA-Offizielle in ihren smarten Anzügen nervös in ihre Knopflochmikrofone. Wie die Sicherheitskräfte von Diktatoren waren sie besorgt, dass die Botschaft auf unseren Spruchbändern der Parteilinie ihrer Bosse zuwiderlief.
Nachdem die Polizeiwagen vor uns gehalten hatten, dauerte es nur ein paar Sekunden, bis uns die Spruchbänder aus den Händen gerissen und sie in einen Wagen geworfen wurden.

Aus dem Nichts schienen plötzlich weitere Polizisten aufzutauchen: Aus zwei wurden 20. Während die Männer brüllten, holten eine andere Frau und ich ein Spruchband aus dem Wagen heraus und hielten es wieder hoch.

Einen Moment lang wurde der Protest noch fortgesetzt, dann begannen die Verhaftungen.

Es lief ziemlich chaotisch ab. Es wurde auf Kreolisch, Englisch und Französisch geschrien. Naraindranath Gopee, der Präsident der Staatsbedienstetengewerkschaften und langjähriger Gewerkschaftsaktivist, wurde von vier Polizisten weggeschleppt, die jeweils einen Arm und ein Bein ergriffen.

Unsere fröhliche Gruppe friedlicher Demonstranten wurde in einen Kleinbus verfrachtet und weggefahren, als eine Wagenkolonne mit FIFA-VIPs in ihren schwarzen SUVs mit getönten Scheiben und einer Polizeieskorte vorbeifuhr.

Der Polizeichef von Port Louis war ein korpulenter Mann, bei dem sich die Knöpfe über dem Bauch spannten.

Er konnte ein Seufzen nicht unterdrücken, da sein Freitag nun mit sinnlosem Papierkram und zwei internationalen Häftlingen ruiniert war. Er hatte diese Situation nicht verursacht.

Sieben Stunden lang wurde ich festgehalten, unter dem Vorwurf, an einer nicht genehmigten Zusammenkunft von mehr als 12 Personen teilgenommen zu haben.
Nach dem Mittagessen ließ der Generalstaatsanwalt die Vorwürfe fallen, und nachdem ich unterschrieben hatte, dass ich nicht misshandelt worden war, durfte ich gehen und war frei.

Im 5000 Kilometer entfernten Katar ist Zahir Belounis kein freier Mann. Der französische Fußballer sitzt dort nach wie vor fest. Es bedarf nur einer Unterschrift auf seiner Ausreisegenehmigung, damit er, seine Frau und seine beiden kleinen Töchter das Land verlassen können. Aber diese Unterschrift fehlt nach wie vor.

An der Sklaverei und der Diskriminierung, der sich Zahir und mehr als eine Million Wanderarbeitskräfte gegenübersehen, muss sich etwas ändern. Mit Katar als Austragungsort der FIFA Fußball-WM 2022 stehen die Arbeitnehmerrechte im Rampenlicht.

Wo immer die FIFA auch hingehen mag, wir werden zur Stelle sein, um sie daran zu erinnern, wie ein Gastgeberland der WM seine Beschäftigten behandelt.
Wo immer Katar auch investieren mag, wir werden zur Stelle sein, um daran zu erinnern, wie das Land seine Wanderarbeitskräfte behandelt.

Wir werden unsere Kampagne fortsetzen, bis alle Wanderarbeitskräfte in Katar frei sind und ihre Rechte wahrnehmen können.

Link zu den Fotos von dem friedlichen Protest und den Verhaftungen beim FIFA-Kongress am 31. Mai 2013 in Mauritius.

Der Gastbeitrag von Gemma Swart erschien erstmals am 3. Juni 2013 in Equal Times.